Honda CB 50

Es handelt sich bei der CB 50 um ein "Mokick".

Was ist ein "Mokick"?

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es sogenannte "Motorfahrräder". Kleine Zweitaktmotoren wurden in einem verstärkten Fahrradrahmen eingebaut.  In den 50er Jahren nannte man diese Fahrzeuge "Moped". Aus dem Wort geht hervor, dass es einen Motor und Pedalen hat. Sie hatten 50 cm³, waren mit einer Tretkurbel versehen und hatten oft ein mehrstufiges Getriebe mit Handschaltung. Einen Führerschein war nicht notwendig. Doch dann kam ein neues Gesetz. Das Moped hieß nun offziell "Fahrrad mit Hilfsmotor", es durfte 40 km/h fahren. Erforderlich war ein Führerschein der Klasse 5, den man mit 16 Jahren erwerben konnte.

Ein weiteres Gesetz ermöglichte es, diese Mopeds technisch aufzuwerten. Die Tretkurbel (wie beim Fahrrad) war nicht mehr notwendig. Das war die Geburtsstunde des "Mokicks". Aus dem Begriff kann man ableiten, dass das Fahrzeug einen Kickstarter hat.  Die Mokicks sahen optisch aus wie die schnelleren Kleinkrafträder, die jedoch nur mit der Führerscheinklasse 4 gefahren werden durften. Außerdem reichte kein kostengünstiges Versicherungskennzeiten, sondern die Fahrzeuge mussten zugelassen werden. Es waren hohe Versicherungsprämien zu zahlen. Außerdem war alle zwei Jahre ein TÜV-Untersuchung erforderlich (Das Motorrad 4/75 Marktübersicht Mofas Mopeds und Mokicks). Die Motorleistung der Mokicks mitte der 70er Jahre betrug bis 2,9 PS und das Getriebe hatte meistens drei oder vier Gänge per Fußschaltung.

Obwohl die Japaner im Zweiradmarkt stark vertreten waren, hatten sie keine klassischen Mokicks, die mit den beliebten europäischen Marken (Kreidler, Zünda, Puch u.a.) konkurrenzfähig waren (bis 1975).

 

 Foto aus "Das Motorrad" 4/1975

 Bei den Kleinkrafträdern war Honda mit der SS 50 vertreten. Es war im Vergleich zu den europäischen Zweitaktern in der Anschaffung erheblich günstiger und auch im Unterhalt.  Und doch hatte dieses Modell nicht den Erfolg, den man sich erhoffte. 1976 wurde das einzige Viertakt Kleinkraftrad vom Markt genommen (Das Motorrad 6/76).

 

Im Frühjahr 1977 brachte Honda die CB 50 J auf den Markt. Sie präsentierte sich "als richtiges kleines Motorrad" (Das Motorrad 10/1977). Sie wurde für 1658 Mark angeboten. In den Jahren 1976/1977 flaute der Absatz der Kleinkrafträder in Deutschland um ein Drittel ab. Der Grund: Die Jahresversicherungen lagen bei fast 1000 Mark. Dafür konnten die Mokicks an Boden gewinnen. Doch die deutschen Hersteller konnten davon nicht entsprechend profitieren. Denn die Japaner drängten in den Markt und unterboten deutlich die Preise. Der Listenpreis einer Kreidler RMC lag 1977 bei 2.827 DM, die Honda CB 50 J war um 1/3 günstiger zu haben. In einem Mokick-Vergleichstest erreichte sie hinter der Kreider den zweiten Platz, verwies aber eine KTM MSS 50 und die Zündapp GTS 50 auf den dritten und vierten Platz (Das Motorrad 16/1977).

Besonders überzeugte die exakte und leichte Schaltbarkeit der vier Gänge. Bei der Beschleunigung konnte die Honda mit den Zweitaktern naturgemäß nicht mithalten. Beim Anfahren am Berg machte sich bemerkbar, dass die Honda nur 2 PS gegenüber den anderen Mokicks mit 2,9 PS hat. Auch bei der Elastizität belegte die Honda nur den 8. Platz. Beim Verbrauch erweist sich die CB 50 mit 3 L auf 100 km als recht sparsam. Sie konnte auch in der Handlichkeit punkten, im Kurvenfahren und im Komfort. 

 

 

 

In "Das Motorrad" Heft 12/1977 findet man unter der Rubrik "Jungs, eure Fünfziger" ein Test. Die CB 50 J besticht durch eine reichhaltige Ausstattung, die bei anderen Mokicks nicht immer zu finden sind.  Auf den ersten Blick wirkt die CB 50 wie ein Kleinkraftrad oder ein kleines Motorrad. Der Chromauspuff ist konisch geformt und wirkt großvolumig. Die Scheibenbremse stammt aus dem Baukastensystem von Honda und findet sich zum Beispiel auch an der CB 200. Der Motor wird - wie bei einem Motorrad - durch einen Unterzug gehalten. Gelobt wird die Anbringung der Soziusfußrasten auf Auslegern. Die Teleskopgabel spricht gut an und auch die fünffach verstellbaren Federbeine sind bestens abgestimmt. Die CB 50 besticht durch eine sportliche Linienführung. Gelobt werden die Geräuschwerte, die Honda ist kaum zu hören. Kein Wunder, das dieses Mokick sich gut verkaufen lässt.  Lieferfristen von bis zu drei Monaten deuten dies an.